O-Töne

Stimmen aus der Welt des Netzwerks

In regelmäßig unregelmäßigen Abständen möchten wir Ihnen auf dieser Seite Meinungen und Einblicke rund um das Netzwerk Moderne Landwirtschaft geben.

03.11.2015

Unterhaltsam und authentisch – so wurde ein Farmer zum YouTube-Star

36 Millionen YouTube Video-Aufrufe, 100 000 Follower für einen YouTube-Kanal und 250 000 Facebook-Follower! Diese beeindruckenden Zahlen kann der Amerikaner Greg Peterson vorweisen. Und zwar – das ist das Verblüffende – mit seinen Videoclips und Postings über Landwirtschaft. Im Rahmen seines vom FORUM unterstützten Deutschland-Besuchs diskutierte der Farmer aus Kansas mit Kollegen über seine Erfahrungen und gab Tipps für die Öffentlichkeitsarbeit.

Greg, wie kamen Sie und Ihre Brüder Nathan und Kendal dazu, Videoclips mit landwirtschaftlichen Inhalten zu produzieren und zu veröffentlichen?
Mit unserem ersten Video wollten wir eigentlich nur unseren Freunden aus der Stadt zeigen, wie es auf unserer Farm aussieht und wie viel Spaß es macht, dort zu arbeiten. Wir hatten vielleicht mit einigen tausend Clicks auf YouTube gerechnet, aber zu unserer großen Überraschung waren es eine Woche nach der Veröffentlichung bereits fünf Millionen! Das hat uns motiviert weiterzumachen. Wir haben hiermit nämlich eine Chance, über Landwirtschaft zu informieren und falsche Vorstellungen über moderne Verfahren zu korrigieren, um langfristig unsere Zukunft zu sichern.

Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?
In unseren Videos singen wir eigene Texte zu bekannten Songs und zeigen dazu passende Aufnahmen aus unserem Alltag auf der Farm.
Wir haben selbst einen Riesenspaß und wollen damit unterhalten, aber auch informieren. Alles ist authentisch, ehrlich und ohne kommerziellen Hintergrund. Dafür nehmen wir uns Zeit: Die Planung und Produktion eines Videos dauert zwei bis drei Wochen. Wir nutzen die Musik als kraftvolles Werkzeug und erreichen damit Menschen in allen Teilen der Welt. So hatte unsere Parodie auf den Gangnam Style-Welthit bislang über 16 Millionen Aufrufe.

Gibt es außer den enormen Aufrufzahlen auch andere Reaktionen auf Ihre Clips?
Ja, typisch ist beispielsweise: „Ich wusste überhaupt nicht, dass in der Landwirtschaft so viel moderne Technologie eingesetzt wird.“ Viele sind auch froh mehr darüber zu erfahren, wo ihr Essen wächst. Besonderes Interesse haben Lehrer an den unterhaltsamen und informativen Videos. Weil es zahlreiche Anfragen gibt, treten wir mittlerweile im ganzen Land auf und unterstützen so die Landwirtschaft.

Wie beurteilen Sie das Image der deutschen Landwirtschaft und was raten Sie Ihren Berufskollegen?
Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten gibt es viele Ähnlichkeiten. Allerdings scheint die Situation in Deutschland noch angespannter zu sein. Das ist an den vielen Negativschlagzeilen und Restriktionen abzulesen. Es werden sehr viele Unwahrheiten verbreitet. Hier müssen Sie dagegen halten und die Wahrheit erzählen! Und zwar so, dass der Köder dem Fisch schmeckt. Unterhaltsam, authentisch und ohne kommerzielle Inhalte – so müssen Botschaften vermittelt werden.

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29.10.2015

29.10.2015

Borussia Dortmund hat Evonik, der TuS Ascheberg die Landwirte

„Stark auf dem Feld – Ascheberger Landwirte“ - dieser Slogan und eine symbolisierte Ähre sind auf den Sportshirts der jungen Kickerinnen des TuS Ascheberg im Münsterland zu sehen. Die Idee stammt vom ansässigen landwirtschaftlichen Ortsverein. Sportsonsoring ist ein Baustein in einer Reihe von imagefördernden Maßnahmen. „Unser Ziel ist eine gute Nachbarschaft“, sagt Mitinitiator Georg Freisfeld.

Herr Freisfeld, seit 2013 ist Ihr landwirtschaftlicher Ortsverein im Sportsponsoring aktiv. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Die Mädchenmannschaft unseres Sportvereins war aufgestiegen und brauchte neue Trikots. Wir haben uns spontan bereiterklärt sie zu unterstützen. Eine uns gut bekannte Textildesignerin und eine Hand voll junger Bauern haben das Logo entworfen und den Slogan festgelegt. Seitdem machen die jungen Damen jedes Wochenende Werbung für die Landwirtschaft.

Welche Zielsetzung verfolgen Sie damit?
Uns geht es um eine gute Nachbarschaft mit der Bevölkerung im Ortskern als auch in den Bauernschaften. Bis jetzt gibt es keine Probleme und das soll so bleiben. Wir unterstützen daher mit Absicht den Sportverein hier aus unserer Gemeinde. Ganz abgesehen davon, dass uns das Geld für eine überregional bekannte Mannschaft fehlen würde. Die Trikotwerbung ist aber nur eine Maßnahme. Wir säen beispielsweise auch Sonnenblumenmischungen entlang von Radwegen, unterstützen Kinder in Not oder laden unsere Mitbürger zu Tagen der offenen Tür oder Stalleinweihungen ein. So bleiben wir immer im Gespräch miteinander.

Wie hoch ist Ihr finanzielles Engagement?
Die Trikots kosteten 500 Euro. Mittlerweile haben wir einen zweiten Satz in einer anderen Farbe angeschafft.

Wie sind bislang die Reaktionen auf Ihr Sportsponsoring ausgefallen?
Ausnahmslos positiv. Über die Trikots kommen wir mit Zuschauern bei den Fußballspielen ins Gespräch und laden Interessierte gerne auf unsere Höfe ein. Alle freuen sich die Mädels mit den Trikots nach erfolgreichen Wochenenden in der Zeitung zu sehen. Zu den Kickerinnen haben wir seitdem auch einen guten Draht. Andere Ortsvereine sind mittlerweile ebenfalls aktiv geworden, so unter anderem unsere Kollegen in Ottmarsbocholt. Sie verwenden Logo und Schriftzug, allerdings mit einem kleinen Unterschied: „Stark auf dem Feld - die Ottmarsbocholter Landwirte“. Es können gern noch mehr landwirtschaftliche Ortsvereine, auch aus anderen Regionen dieser Republik, das Logo nutzen. So erkennen immer mehr Sportfans die Ähre wieder und erinnern sich: Hier unterstützen die Landwirte!

 


22.10.2015

Alte Pfade verlassen, um neue Wege zu finden

LandFrauen-Botschafterinnen und das Kult-Heavy Metal Festival in Wacken – passt das zusammen? „Ja“, sagt Anke Mehrens. Die Landwirtin aus Gnutz in Schleswig Holstein tischte den Besuchern Pellkartoffeln mit Quarkcreme und Glücksstädter Matjes auf. Für sie ist klar, neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit findet man nur, wenn man querdenkt und etwas Ungewöhnliches ausprobiert. 

Frau Mehrens, Festival-Besucher sind dafür bekannt, dass sie meistens durch großen Durst auffallen. Wie ist es Ihnen da als Botschafterin für heimische Produkte in Form von fester Nahrung ergangen?
Überraschend gut! Von Tag zu Tag zu Tag kamen immer mehr Besucher an unseren Stand und haben die mitgebrachten regionalen und saisonalen Spezialitäten genossen. Ich habe selten so viele nette und freundliche Menschen getroffen wie in Wacken!

Liebe geht bekanntlich durch den Magen…
Ja, das stimmt. Die Besucher waren aber nicht nur am Essen interessiert, sondern auch an unseren Informationen beispielsweise zum Kartoffelanbau. Das ist bei vielen anderen Anlässen deutlich seltener der Fall. Meine Kolleginnen und ich haben zahlreiche gute Gespräche führen und viel Wissen vermitteln können. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Speisen haben wir übrigens der Wacken Foundation gespendet, die junge Künstler fördert.

Wie sind Sie auf die ungewöhnliche Idee gekommen?
Der Vorschlag stammte ursprünglich von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Ich war zwar darauf gespannt, was mich erwartet. Aber Berührungsängste hatte ich keine. Schließlich wohne ich nicht weit entfernt und kannte das Festival schon ein wenig. Deswegen habe ich die Aufgabe gerne übernommen.  

Wie lautet Ihre Erkenntnis aus dem Wacken-Experiment?
Wir müssen manchmal weg von unseren Landfrauen-Klischees. Deswegen habe ich gleich am Aufbautag meine weiße Bluse gegen ein schwarzes T-Shirt mit dem Wacken-Logo getauscht. Bauernmärkte, regionale Messen und die Grüne Woche in Berlin sind wichtige Plattformen, gar keine Frage. Die werden wir auch weiterhin bedienen. Aber neue Wege findet man nur, wenn man querdenkt und etwas Ungewöhnliches ausprobiert.  

 


15.10.2015

Aufgeben gibt es nicht!

Die Landwirtschaft hat auch eine soziale Ader. Das beweist das Team um Georg Biedemann aus Kevelaer am Niederrhein. In diesem Jahr sammelten sie im Rahmen ihrer Big Challenge-Sportveranstaltung nahezu unglaubliche 233.000 Euro für die Deutsche Krebshilfe.

Herr Biedemann, was steckt hinter dem Begriff Big Challenge?
Bei unserer Veranstaltung legen die Teilnehmer wahlweise Rad-, Lauf- oder Wanderstrecken zurück. Jeder sammelt mindestens 500 Euro Spendengelder ein, die der Krebsforschung und -behandlung zugutekommen. Die meisten Starter bringen das Geld mit Hilfe von Sponsoren auf.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Im Bekannten- und Verwandtenkreis gab es eine Reihe von Krebserkrankungen. Auch mein Vater ist daran verstorben. Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir den Kampf gegen diese Krankheit unterstützen können. Daher auch unser Motto „Aufgeben kommt nicht in Frage !“. Daraufhin habe ich 2013 an einer ähnlichen Veranstaltung von niederländischen Berufskollegen teilgenommen. Da hat es Klick gemacht – 2014 fand dann die erste Big Challenge am Niederrhein statt.  

Wird die Big Challenge als landwirtschaftliche Veranstaltung wahrgenommen?
Ja, ein Großteil des Organisationsteams und der Starter besteht aus Personen aus der Landwirtschaft, in jedem Flyer wird darauf hingewiesen und im Rahmenprogramm hatten wir mit dem Schweinemobil, einem Ferkelrennen und anderen Events interessante landwirtschaftliche Programmpunkte für alle Gäste. Die Medien haben vielfach über unsere Veranstaltung berichtet, immerhin ist es die größte Einzelaktion für die Deutsche Krebshilfe.

Von null auf 453.267 Euro in zwei Jahren - gibt es ein Erfolgsrezept?
Ohne hohen persönlichen Einsatz, Konsequenz und Zielklarheit geht es nicht. Ganz wichtig sind funktionierende Netzwerke innerhalb der Landwirtschaft und den vor- und nachgelagerten Bereichen. Ein Beispiel ist unsere aktive Landfrauengruppe, die sich sehr engagiert. Begleitende Öffentlichkeitsarbeit ist ebenso Grundvoraussetzung. Die vom ZDS unterstützte Internetseite, eine lebendige Facebookseite und funktionierende Kontakte zu regionalen und überregionalen Medien zählen dazu.

Was schwebt Ihnen für die Zukunft vor?<>Wir wollen noch mehr für die Krebshilfe tun. Das bedeutet mehr Starter, die Ausweitung auf weitere  Veranstaltungsorte und eine „Big Challenge on Tour“. Mit Unterstützung des Forums Moderne Landwirtschaft soll die Big Challenge einmal von Nord- nach Süddeutschland ziehen und an jedem Tag in einer anderen Großstadt Station machen.  

Wie können wir Ihr Projekt unterstützen?
Teilnehmen, spenden, mithelfen oder gute und umsetzbare Ideen liefern!  

Zur Webseite "Big Challenge"

 

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Start für die Biker bei der Big Challenge morgens um fünf Uhr.

Aufgeben gibt es nicht ! Das Veranstaltungsmotto wird von den Teilnehmern beherzigt.

Dank eines schlagkräftigen Orgateams ist die Big Challenge auf der Überholspur.

Viele Sponsoren tragen zu der Spendensumme von weit über 400 000 Euro bei.

Petra und Georg Biedemann freuen sich über jeden Teilnehmer und Helfer.


8.10.2015

Gassi-Geher und Bulldog-Fahrer wieder zusammen bringen

„Ja griaß Eich! Heute ist auf den Feldern draußen ganz schön viel los…“ Bettina Hanfstingl hat ihren persönlichen Stil in ihrem Facebook-Blog. Die Bäuerin aus Bruckmühl in Bayern veröffentlicht als „Pflanzenbaureporterin“ ein bis zwei Beiträge pro Woche. Die Lokalzeitung „Mangfall-Bote“ hat ihre Seite auch geliked. Für dessen Leser schreibt sie jetzt zusätzlich über „Landwirtschaft dahoam“.

Frau Hanfstingl, Sie sind Bäuerin und schreiben über Ihren Alltag auf dem Hof. Was treibt Sie an?
Unser Hof liegt in einem dicht besiedelten Gebiet. Wir teilen uns die Landschaft mit Spaziergängern, Joggern, Radfahrern oder Ballonfliegern. Das funktioniert nicht immer störungsfrei. Ich will einfach den Gassi-Geher und den Bulldog-Fahrer wieder zusammenbringen und das Verständnis füreinander fördern.
Ich texte und formuliere einfach gern, und weil Deutsch schon eins meiner Abiturfächer war, war der Weg dahin eigentlich schon vorgezeichnet.

Wo erscheinen Ihre Beiträge und wie haben Sie das geschafft?
Im April 2015 habe ich die ersten Beiträge über unseren Grünlandschnitt auf meiner privaten Facebookseite veröffentlicht. Das sehr positive Feedback hat mich dazu bewogen, weiterzumachen und auf der eigens eingerichteten Facebookseite „Die Pflanzenbaureporterin“ ein- bis zweimal pro Woche zu bloggen. Das gefiel auch unserer Regionalzeitung und so hatte ich die Chance, im nachrichtenarmen „Sommerloch“ meine ersten Beiträge zu platzieren.

Der Leser glaubt, das frisch gemähte Gras regelrecht riechen zu können, wenn er Ihre Schilderung über Grassilage liest. Wie gelingt Ihnen das?
In meinem Blog schreibe ich aus der „Ich-Perspektive“ und ausschließlich über Dinge, die ich selbst erlebt habe und in denen ich mich auskenne. Mir macht das riesig viel Spaß. Das merkt der Leser, weil es einfach authentisch rüberkommt. Sehr wichtig sind mir die Fotos, die ich selber passend zum Text schieße. Für die Zeitung schreibe ich etwas allgemeiner, das ist die Vorgabe. In beiden Medien arbeite ich viel mit Beispielen und Vergleichen mit dem täglichen Leben von Nicht-Landwirten.Den lockeren Erzählstil habe ich in der ehrenamtlichen Jugendarbeit gelernt.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Geschichten?
Es gab schon sehr viele positive Rückmeldungen und die Zahl der Leser, die die Blog-Einträge liken oder teilen, steigt permanent an. Den Lesern gefällt es, dass niemals ein erhobener Zeigefinger vorkommt, sondern immer ein Augenzwinkern dabei ist. Den Lesern des Oberbayerischen Volksblattes gefällt es offensichtlich auch. Denn nach den ersten Beiträgen habe ich mit der Redaktion gesprochen. Nach dem Testlauf wird die Serie „Landwirtschaft dahoam“ vorerst über ein Jahr laufen. Das motiviert mich noch mal zusätzlich!

Zum Facebook-Blog

 


1.10.2015

Öffentlichkeitsarbeit ohne Lautsprecher:
landwirtschaftliche Willkommenskultur

An einem Hofabend zum Thema Asyl hat die abstrakte Zahl von vielen hunderttausend Flüchtlingen für Regina Selhorst Gesichter und Stimmen bekommen. Die Präsidentin des LandFrauen-Verbands Westfalen-Lippe e.V.  informiert über ein nachahmenswertes Projekt.

 

Frau Selhorst, zusammen mit der Landjugend haben Sie eine Aktion durchgeführt, die letztendlich die Willkommenskultur der Landwirtschaft unterstreicht.
Richtig. Ausgangspunkt war ein Kartoffelschälwettbewerb unseres LandFrauenverbands mit der Landjugend , den unser LandFrauenverband für sich entscheiden konnte. Als Ergebnis der Wette wurde ein gemütlicher Hofabend zum Thema Asyl vereinbart. Daran haben durch die Vermittlung des Vereins Jugend ohne Grenzen auch rund 20 Flüchtlinge teilgenommen.

Wie ist der Abend verlaufen?
Trotz einiger Verständigungsprobleme äußerst kommunikativ! Wir haben ganz viel voneinander erfahren und gelernt. Menschen haben zu Menschen gefunden. Eine Zahl von, sagen wir mal 800 000 Flüchtlingen ist abstrakt. An diesem Abend hat die Zahl aber Gesichter und Stimmen bekommen.

Was hat für Sie persönlich am stärksten bewegt?
Die Einzelschicksale haben mich berührt. Besonders das von einem jungen Mann aus Uganda, dessen Frau gestorben ist, weil er die Krankenhausbehandlung nicht bezahlen konnte und der seine drei kleinen Kinder zunächst zurücklassen musste. Ich denke, dass wir in den ländlichen Regionen bessere Chancen haben Kontakte aufzubauen als in anonymeren Städten. Viele LandFrauen „leben“ diese landwirtschaftliche Willkommenskultur, die auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit ist. Und das nicht erst seit diesem Jahr.

Was bedeutet für Sie gelebte Willkommenskultur?
Bereits seit vielen Jahren versucht unser Verband Kontakte zu ausländischen Mitbürger über Landwirtschaft, Gartenarbeit oder gemeinsame Kochkurse zu verbessern. Es ist einfach ein Gebot der Menschlichkeit. Jeder von uns ist gefordert, sich um unsere neuen Nachbarn im Rahmen seiner Möglichkeiten zu kümmern. So zum Beispiel den Hof erkunden oder die Kinder zum Kindergarten mitnehmen. Oder ganz aktuell: Gemeinsam das Erntedankfest feiern!   

Wie ist Ihr Engagement nach außen kommuniziert worden?
Grundsätzlich will ich bemerken, dass wir in diesem Fall nicht den Fokus auf eine möglichst intensive PR-Begleitung gelegt haben. Auf Facebook gab es zwar einige Posts und im Wochenblatt einen Bericht. Im Mittelpunkt stehen aber die Menschen, denen wir helfen wollen. Für mich und meine Gruppe ist das eine Herzenssache.

 


21.9.2015

„Landwirtschaft ist klasse. Das können ruhig alle wissen!“

Julia Nissen vom Bauernblatt Schleswig-Holstein organisierte ein Agrarbloggertreffen

 

Warum und wie hast Du die Blogger von Ihren Computern weggelockt?
Virtuell sind sie sich alle schon begegnet, real größtenteils aber noch nie. Das wollten wir schnellstens ändern: Wir arrangierten ein lockeres Kennenlernen in unserer Redaktion. Natürlich kam der Spaß nicht zu kurz und wir schossen gemeinsam ein paar Bilder in unserer Schättruum-Fotobox. Anschließend gingen wir gemeinsam über die NORLA, die zeitgleich auf dem Nebengelände stattfand. Beeindruckend war, dass die Blogger von den Besuchern erkannt und angesprochen wurden. Wir freuen uns sehr über den hohen Bekanntheitsgrad der jungen Agrarbotschafter.

Sind Blogger Freaks oder ganz normale Menschen?
Wenn jemand so richtig für eine Sache brennt und sich dafür engagiert, ist er dann ein Freak? Wenn das die Definition sein sollte, dann auf jeden Fall – mit Ausrufezeichen! Und sie sind stolz darauf. Es sind ganz normale Mädels und Jungs, die es verstanden haben, das Internet für sich und ihren Berufsstand zu nutzen.

Welche Ergebnisse hat Euer Treffen gebracht?
Die Blogger haben sich näher kennengelernt und planen künftig auch gemeinsame Projekte. Zum Beispiel hatten wir eine hauptberufliche Beauty- und Lifestylebloggerin mit in der Runde, die den anderen ganz neue Impulse aus einer anderen Branche geben konnte. Sie trifft sich öfter mit anderen Bloggern und berichtet darüber. „Warum also nicht auch mal über einen Agrarblogger berichten?!“ sagte sie.

Wie stark prägen soziale Netzwerke bereits das Image der Landwirtschaft? 
Das virtuelle Agrarnetzwerk wächst und wächst und wir sind mittendrin. Als Redaktion legen wir großen Wert darauf, ein Ohr an der Basis zu haben. Da gehört selbstverständlich auch „dieses Internet“ dazu. Da die sozialen Netzwerke genauso zu den Medien und somit zu den Meinungsbildnern zählen, prägen sie natürlich das Image der Landwirtschaft. Jeder einzelne ist also dazu aufgefordert, sich einzubringen. Und es ist so einfach: Wenn bei meinem Mann z.B. kommende Woche der dritte Schnitt für Grassilage ansteht, poste ich das auf meinen privaten Profilen auf Facebook und Instagram. Landwirtschaft ist klasse. Das können ruhig alle wissen!

 


17.9.2015

„Wir stehen alle in der gemeinsamen Verantwortung“

Dr. Hermann-Josef Baaken ist Sprecher der Geschäftsführung des Deutschen Verbandes Tiernahrung. Im aktuellen Interview für unsere Rubrik O-Töne sprechen wir mit ihm über die Notwendigkeit, positive Bilder von moderner Landwirtschaft zu vermitteln, den Aufbau von Vertrauen durch Transparenz und das Engagement der Futtermittelbranche im Netzwerk Moderne Landwirtschaft.

 

Kommunikation mit anderen zusammen im Netzwerk Moderne Landwirtschaft – was bedeutet das für Sie?
Ob der Bauer auf seinem Hof oder der vor- und nachgelagerte Bereich - wir stehen alle vor den gleichen Herausforderungen. Wir müssen uns in die öffentliche Meinungsbildung noch intensiver einschalten. Weil wir wirtschaftlich miteinander verzahnt sind, stehen wir alle in der gemeinsamen Verantwortung. Wir brauchen ein lebendiges, wachsendes Netzwerk, um gemeinsam eine selbstbewusste, durchaus auch manchmal laute Stimme zu entwickeln und den Menschen positive Bilder von moderner Landwirtschaft zu vermitteln. Es ist so, wie es ist, und dafür müssen wir gerade stehen.

Welche Form der Kommunikation ist aus Ihrer Sicht erforderlich?
Nichts ist besser als die authentische Darstellung eines Themas über Personen. Jeder muss sich zur modernen Landwirtschaft bekennen und zugleich deutlich machen, dass unser Tun transparent ist. Dann können wir auch Vertrauen aufbauen. Damit lösen wir positive Emotionen bei unseren Mitbürgern aus und erzeugen Interesse für unser Thema. Und wir müssen zuhören. Wer zuhört und versteht, kann besser mit den Menschen reden und ihre Fragen oder Kritik beantworten und erwidern. So ergibt sich ein Dialog, der im Idealfall in eine fachliche Diskussion mündet.

Wie können Sie sich als DVT in das Netzwerk einbringen?
Landwirte sind Kunden der Futterwirtschaft. Deshalb sind wir, und zwar gerne und aktiv, Teil des Ganzen. Wir regen den Dialog durch neue Formen an: bei Facebook und Twitter mit der Reihe „Gesichter der Branche“. Die jüngst produzierten Videos auf unserem Youtube-Kanal gute mit bewegten Bildern geben kurze Einblicke in die Branche. Journalisten können jederzeit Fragen stellen. Außerdem sehen wir uns als starker Partner des FORUMS. Wir beteiligen uns intensiv an der Gremienarbeit und suchen in dem gemeinsamen Strategieworkshop im Oktober nach weiteren Möglichkeiten, wie wir uns als Futtermittelbranche stärker im Netzwerk engagieren können.

 

 


10.9.2015

„Kommunikation der Branche aktivieren und unterstützen“

Die Arbeit des FORUM nimmt an Fahrt auf.

Für den geschäftsführenden Vorstand des Forums Moderne Landwirtschaft Dr. Christoph Amberger gehört die moderne Landwirtschaft zurück in die Mitte der Gesellschaft. Wie er das erreichen möchte, verrät er im folgenden Interview.

 

Nichts ist beständiger als der Wandel – welche Änderungen beobachten Sie in der Kommunikation?
Der grundlegende Wandel besteht darin, dass heute jeder die Möglichkeit hat, seine Meinung mit Hilfe des Internets zu verbreiten. Alles geht viel schneller, Botschaften können eine gewaltige Dynamik entwickeln. Der Versuch, mit zentral organisierter Öffentlichkeitsarbeit und langwierig abgestimmten Positionen zu agieren und Akzente zu setzen, ist zum Scheitern verurteilt. Gerade Medien haben daran immer weniger Interesse.

Was heißt das konkret?
Große und funktionierende Netzwerke bestimmen heute meist die Verbreitung von Botschaften. Individuell, authentisch und vernetzt – das sind heute die Kriterien für eine erfolgreiche Kommunikation. Das Forum Moderne Landwirtschaft möchte mit dem Projekt Netzwerk Moderne Landwirtschaft dieser Herausforderung begegnen und sich den neuen Realitäten anpassen.

Was kann man sich unter dem Netzwerk Moderne Landwirtschaft vorstellen?
„Nur das WIR gewinnt“! Dieser Slogan der deutschen Fernsehlotterie muss der Leitspruch der Agrar- und Ernährungswirtschaft sein. Alle müssen an einem Strang ziehen: Landwirtsfamilien in ganz Deutschland und ihre Verbände, aber auch die vor- und nachgelagerten Bereiche, wie beispielsweise Tierärzte oder Tiertransporteure. Wenn alle konsequent für moderne Landwirtschaft eintreten, dann bin ich davon überzeugt, dass wir unsere Zukunft erfolgreich gestalten können.

Was ist typisch für den Netzwerk-Ansatz?
Jeder Einzelne ist gefordert! Wir können nicht darauf warten, dass Irgendjemand die Richtung vorgibt! Mit der von der Basis in vielen kleinen Initiativen und Netzwerken initiierten Öffentlichkeitsarbeit, dem sogenannten Bottom-up-Ansatz, sind wir authentisch, flexibel und kreativ. Dieser Ansatz ist übrigens nicht nur auf unsere Meinung, sondern das Resultat mehrerer Strategiegespräche mit der Jungen DLG, der Jungen ISN, dem Projekt Junglandwirte und dem Deutschen LandFrauenverband.

Welche Maßnahmen sind im Netzwerk geplant?
Mit der Aktion „Sprich!“ wollen wir alle in der Landwirtschaft und in den vor- und nachgelagerten Bereichen ermutigen und überzeugen, sich kommunikativ für moderne Landwirtschaft zu engagieren. Jeder soll sich nach seinen speziellen Neigungen und Fähigkeiten einbringen. Soziale Medien, Besucherführungen oder klassische Pressearbeit – die Betätigungsmöglichkeiten sind riesengroß. Da geben wir auch nichts vor.

Werden Sie sich auf Themenbereiche besonders fokussieren?
Ein Schwerpunkt wird unser Berufsnachwuchs sein. Wir wollen das Thema Kommunikation in der landwirtschaftlichen Ausbildung verankern. Es ist ebenso wichtig für die Zukunft wie solide Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Pflanzenbau und Tierhaltung. Unser Forum wird dazu Kommunikationsaktivitäten unterstützen und fördern sowie einen Kommunikationspreis für herausragende Leistungen ausschreiben.

Wie unterstützt das Forum die Netzwerk-Akteure?
Wir wollen unsere Mitstreiter fit für den Dialog machen. In diese Richtung zielt beispielsweise unser neues Projekt 10-100-1000. Auf dem ErlebnisBauernhof der Grünen Woche 2016 sollen an zehn Tagen mit 100 Aktiven mindestens 1000 Kontakte zu Bürgerinnen und Bürgern geschlossen werden. Die Teilnehmer des Projekts erhalten am ersten Tag ein umfassendes Kommunikationstraining und können so am zweiten Tag ihre Kenntnisse im Dialog mit den Messebesuchern direkt anwenden.
Zudem werden wir mit einem neuen Mentoringsystem  Einsteigern die ersten Gehversuche in der Öffentlichkeitsarbeit erleichtern, indem wir ihnen „alte Hasen“, also erfahrene Akteure zur Seite stellen. Diese und andere Maßnahmen werden gebündelt über die Internet-Plattform netzwerk-moderne-landwirtschaft.de angeboten. Ein regelmäßiger Besuch der Seite lohnt sich also!  

 


3.9.2015

Schweinehaltung mitten in Berlin

Hagen Koepke macht es möglich

Mit Schweine und Kuh Mobil kommt Landwirtschaft in die Stadt.  „Absolut realitätsnah und imposant“, so der erste Eindruck des 33-jährigen Politik- und Kulturwissenschaftlers von den fahrbaren Demoställen des Forums. Seit Mai 2015 koordiniert er den deutschlandweiten Einsatz der Mobile. Nachfolgend gibt er uns einen kleinen Einblick in seine Erfahrungen.

 

Mit den ausleihbaren Schweine und Kuh Mobilen hat das Forum Neuland in der Öffentlichkeitsarbeit betreten. Wie kommen sie in der Praxis an?
Sehr gut. Ich hätte gerne mehr Mobile zur Verfügung, um die Nachfrage decken zu können. Es kommt immer wieder zu Terminüberschneidungen. Also Wochenenden, an denen es mehrere Anfragen gibt, die dann natürlich nicht alle erfüllt werden können. Auch deswegen nicht, weil laut Vorgabe der Veterinäre zwischen der Reinigung des Mobils nach einer Veranstaltung und der Neubelegung mit Tieren mindestens 48 Stunden liegen müssen. Beim Schweine Mobil hat sich die Situation schon ein wenig entspannt, weil wir davon zwei Stück haben. Eines ist für die Veranstaltungen in der Nordhälfte, das andere für die Aktionen in der Südhälfte Deutschlands vorgesehen. Das hat den weiteren Vorteil, dass die Ausleiher nicht von einem Ende Deutschlands bis ans andere fahren müssen, um das Mobil für ihre Veranstaltung zu holen. Je kürzer die Wege, desto höher wird die Verleihrate.  

Wie fiel Ihr erster Kontakt zu den Mobilen aus?
Den gab es auf der Internationalen Grünen Woche 2015, als dort das Kuh Mobil aus der Taufe gehoben wurde. Ich war wirklich überrascht, wie viel Realität und Details man auf einem gut sechs Meter langen Anhänger unterbringen kann. Zwar hatte ich bis zu dieser Begegnung kaum etwas mit Landwirtschaft zu tun, war aber schon viele Jahre im Veranstaltungsbereich tätig gewesen. Nach meiner Meinung sind die Mobile sehr gut geeignet, um die moderne Landwirtschaft in die Stadt zu bringen und dort den Dialog mit den Menschen zu führen.

Sehen das die Besucher der Mobile genauso?
In den letzten Monaten war ich bei mehreren Einsätzen mit vor Ort. Egal ob bei Tagen der offenen Tür, Ausstellungen oder Aktionen mit Schulen: Die Besucher kommen mit den Betreuern, meist Tiere haltende Landwirte, sehr schnell ins Gespräch. Berührungsängste sind schnell abgebaut, unterschiedliche Einstellungen sind kein Hindernis. In der Diskussion zwischen den Tierhaltern und den meist fachfremden Besuchern entwickeln sich Verständnis und gegenseitiger Respekt. Die Mobile sind Kommunikationsbasen, bei denen die Menschen und ihre Beweggründe im Mittelpunkt stehen und keineswegs ein ideologischer Schlagabtausch, wie er zum Thema moderne Nutztierhaltung oft in den Medien stattfindet.

Was war für Sie bislang die interessanteste Erkenntnis?   
Während der letzten Monate habe ich viel Neues über die heutige moderne Landwirtschaft erfahren. Ich weiß jetzt, wo und wie unser Essen entsteht. Vor allem habe ich viele hoch motivierte Landwirtsfamilien kennengelernt, die mit Leib und Seele ihren Beruf ausüben und die trotz Kritik zu Ihrer verantwortungsvollen  Arbeit stehen und sich immer lauter zu Wort melden. Sie sind Teil des Netzwerks der Öffentlichkeitsarbeiter für moderne Landwirtschaft. Sie nehmen das Heft des Handelns in die Hand und schieben die Verantwortung nicht auf Verbände ab. In einer Zeit, in der Facebook und Co. den Takt in der Öffentlichkeitsarbeit vorgeben, ist jeder Einzelne gefordert um der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben und das Image zu beeinflussen.

Was raten Sie Interessenten?
Es empfiehlt sich möglichst früh einen Termin abzustimmen. Es gibt bereits zahlreiche Reservierungen für 2016. Also nicht zögern und idealerweise eine schriftliche Anfrage mit Angaben zum Zeitpunkt, Anlass, Veranstaltungsort und Ausrichter an meine E-Mail-Adresse h.koepke@moderne-landwirtschaft.de senden. Telefonisch bin ich unter 030/8866355-60 zu erreichen.

 

Details zu den Mobilen und den Ausleihmodalitäten finden Sie hier.